Reduktion des MMA-Risikos durch Fütterungsmaßnahmen im geburtsnahen Zeitraum

Neben verschiedenen bakteriellen Erregern können umweltassoziierte Faktoren die Ursache für die Entstehung des MMA-Komplexes sein. Die einzelnen Krankheitsbilder können dabei in Kombination oder getrennt voneinander auftreten. Lesen Sie im folgenden Ratgeber mehr über die Folgen und Prävention.

MMA-Komplex und dessen Folgen in der Ferkelerzeugung

Der MMA-Komplex (Mastitis = Gesäugeentzündung, Metritis = Gebärmutterentzündung, Agalaktie = Milchmangel) ist eine multifaktoriell bedingte, infektiöse Erkrankung der Sau, die nach der Geburt auftritt. Neben verschiedenen bakteriellen Erregern können umweltassoziierte Faktoren die Ursache für die Entstehung des MMA-Komplexes sein. Die einzelnen Krankheitsbilder können dabei in Kombination oder getrennt voneinander auftreten.

Die Symptomatik beginnt während der ersten 12-72 Stunden nach der Geburt. Die Tiere zeigen ein gestörtes Allgemeinbefinden mit erhöhter Temperatur bzw. Fieber, fressen nicht, das Gesäuge ist gerötet und geschwollen. Die Metritis läuft meist ohne sichtbare Anzeichen ab und führt aber in der Folge meist zu Fruchtbarkeitsstörungen der Sauen. Nur in seltenen Fällen ist deutlicher eitriger Ausfluss zu erkennen.

Für Infektionen ursächliche Erreger können über den Urogenitaltrakt, z.B. bei einer aufsteigenden Harnwegsinfektion, durch Geburtshilfe oder über die Zitzenkanäle in den Körper gelangen. Darüber hinaus können weitere Umweltfaktoren wie Fütterung, Wasserversorgung, Geburtsdauer, Körperkondition sowie Stallklima und -hygiene das Auftreten von MMA begünstigen.

Die Anzahl der Erkrankungen in ferkelerzeugenden Betrieben ist unterschiedlich, schwankt aber zwischen 10 und 30 % der Sauen eines Bestands. Die wirtschaftliche Bedeutung des MMA-Syndroms ist weitreichend: Akute Folgen des MMA-Komplexes sind eine erhöhte Ferkelsterblichkeit aufgrund des Milchmangels bzw. eine große Anzahl an Kümmerern, ein gesteigerter Betreuungsaufwand sowie zusätzliche Kosten für den Medikamenten- und Tierarzteinsatz. Langfristige Folgen sind ein höherer Gewichtsverlust der Sau in der Säugezeit, Fruchtbarkeitsstörungen (Brunstlosigkeit, Umrauschen) aufgrund der Metritis, geringere Wurfgrößen, Aborte und eine geringere Lebensleistung der Sau.

So weit muss es jedoch nicht kommen! Mit folgenden leicht umsetzbaren Maßnahmen in der Fütterung der hochtragenden Sauen vermindern Sie das Risiko für das Auftreten des MMA-Komplexes signifikant.

Was kann der Landwirt präventiv gegen MMA tun?

Faserversorgung und Vorbereitungsfütterung tragender Sauen

Der wichtigste prädisponierende Faktor für das Auftreten von MMA ist die Fütterung der tragenden Sauen. Oberste Prämisse ist es, die Tiere in optimaler Kondition zum Abferkeln zu bringen. Angestrebt werden sollte ein Body Condition Score von 3,5 bis 4. Überkonditionierte Tiere neigen zu Schwergeburten, sind eher von Verstopfungen betroffen, fressen nach dem Abferkeln schlecht, säugen stärker ab und zeigen vermehrt Fruchtbarkeitsprobleme. Die Konditionsfütterung zum folgenden Wurf beginnt schon im Deckzentrum und setzt sich über die Nieder- und Hochträchtigkeit mit an den Bedarf der Tiere in den unterschiedlichen Phasen angepassten Rationen fort.

Bei der Ernährung von tragenden Sauen kommt außerdem dem Rohfasereinsatz eine elementare Rolle zu. Faser beeinflusst die Darmgesundheit, Darmtätigkeit, sowie das Wohlbefinden des Tieres. Der größte Teil der Faser kann vom Tier enzymatisch nicht verwertet werden. Die bakteriell fermentierbare Substanz (BFS) kann jedoch im Dickdarm von Bakterien genutzt werden.

Dabei werden auch kurzkettige Fettsäuren erzeugt, die wiederum eine Energiequelle für das Darmgewebe sind. Darüber hinaus haben andere Faserfraktionen wie z.B. Nicht-Stärke-Polysaccharide eine hohe Wasserbindungskapazität und/oder Quellfähigkeit, was sich positiv auf das Sättigungsgefühl wie auch die Darmperistaltik und Kotkonsistenz auswirkt.

Kritisch ist vor allem der Zeitraum, wenn die Sauen vom Wartestall in den Abferkelstall wechseln und zusätzlich zur verringerten Bewegungsmöglichkeit eine Futterumstellung vom energieärmeren und faserreichen Tragefutter auf energiereiches und faserarmes Säugefutter stattfindet. Dies führt oft zu Verstopfungen. Durch die verlängerte Verweildauer des Darminhalts kommt es dabei mitunter zu einem übermäßigen Absterben von Darmbakterien, die durch ihre Abbau-Produkte (sogenannte Endotoxine) Entzündungen im ganzen Körper hervorrufen können, was das Auftreten von MMA begünstigt.

Dies sollte in jedem Fall verhindert werden: Hierbei entscheidend ist vor allem, die Darmtätigkeit zu erhalten und zu fördern. Um die Futterumstellung darmschonend zu gestalten, ist ein Vorbereitungsfutter mit ausreichend quellfähiger Faser und bakteriell fermentierbarer Substanz optimal. Dazu kann das spätere Säugefutter mit einer Faserkomponente ergänzt werden.

Eine ausgeglichene stabile Darmflora lässt sich durch gezielten Einsatz und Kombination von Pre- und Probiotika fördern. Pathogene werden dadurch direkt verringert bzw. das Immunsystem soweit reguliert und unterstützt, dass das Tier selbst besser mit schädlichen Einflüssen umgehen kann. Denn ein Großteil der Immunzellen des Körpers ist im darmassoziierten lymphatischen Gewebe zu finden.

Wichtig ist natürlich auch die Qualität der Futtermittel. Faserkomponenten sind häufig mit Mykotoxinen belastet, was das MMA-Geschehen verstärkt, anstatt dem vorzubeugen. Hier bietet sich vorbeugend der Einsatz eines Toxinbinders an. Säurezusätze verbessern die Futterhygiene zusätzlich über eine pH-Wert-Absenkung, die pathogene Keime reduzieren kann.

Elektrolyt-Bilanz

Im Hinblick auf eine erfolgreiche MMA-Prophylaxe sollte der Kationen-Anionen-Bilanz der hochtragenden Sauen aus zwei Gesichtspunkten Aufmerksamkeit gewidmet werden:

Zum einen wird der Körper durch ein engeres Ca : P – Verhältnis dazu angeregt, bei Bedarf kurzfristig selbst Calcium (z.B. aus den Knochen) auszulagern. Dies kann einen wertvollen Beitrag zur Verhinderung von Wehenschwäche und daraus resultierender MMA-Problematik leisten.

Zum anderen wird durch eine Verringerung des KAB-Wertes in der Gesamtration eine Harnansäuerung erreicht, wodurch die Überlebensfähigkeit und die Anzahl pathogener Keime im Urogenitaltrakt und somit das Risiko des Auftretens von Harnwegsinfektionen deutlich reduziert wird.

Die KAB-Werte gängiger Einzelfuttermittel sind in Tabelle 1 aufgeführt. Durch deren Kenntnis lässt sich die KAB der Ration ermitteln und daraus der resultierende Harn-pH-Wert. Ziel ist es durch Reduktion des Basenüberschuss in der Ration, den Harn-pH-Wert ins schwach saure Milieu abzusenken.

Tabelle 1: Kationen-Anionen-Bilanz (mmol/kg Trockenmasse) ausgewählter Futtermittel und Berechnung Harn-pH-Wert in Abhängigkeit der Gesamt-KAB

Wasserversorgung und Stallhygiene

Ein weiter entscheidender Punkt in der Vorbeugung des MMA-Geschehens ist die Wasserversorgung der Sauen. Hierbei ist auf die ausreichende Aufnahme von hygienisch einwandfreiem Wasser zu achten. Hochtragende Sauen haben einen täglichen Wasserbedarf von ca. 15 l/Tag, der sich durch die einsetzende Milchproduktion nach dem Abferkeln auf bis zu 40 l/Tag erhöht. Die Deckung des Wasserbedarfs ist einerseits wichtig, um die Stoffwechselfunktionen aufrecht zu erhalten, andererseits führt eine hohe Wasseraufnahme zu einem „Spüleffekt“ der abführenden Harnwege. Durch das häufigere Absetzen des Harns werden potenziell vorhandene Erreger daran gehindert den Harnleiter zu besiedeln und somit sinkt das Risiko, dass diese während des Geburtsvorgangs in die Gebärmutter vordringen können und eine Metritis auslösen. Des Weiteren kommt es zu einer Verdünnung des Harns und somit verringert sich die Kationen-Konzentration, was den Harn-pH-Wert automatisch absenkt. Darüber hinaus ist eine hohe Wasseraufnahme notwendig, um das Quellen der Rohfaser im Verdauungstrakt zu ermöglichen und so den gewünschten, langanhaltenden Sättigungseffekt zu erzielen und die Darmperistaltik zu fördern.

Außerdem kommt der gründlichen Reinigung und Desinfektion der Abferkelbuchten mit einer kompromisslosen Belegung im „Rein-Raus-Prinzip“ eine entscheidende Bedeutung in der Prophylaxe des MMA-Geschehens zu.

Fazit

Die Geburtsvorbereitungsfütterung ist ein entscheidender Baustein zur Vermeidung des MMA-Syndroms in der Ferkelerzeugung. Der zusätzliche Arbeitsaufwand steht dabei in keinerlei Korrelation mit den wirtschaftlichen Schäden, die durch Minderleistung im Abferkelstall und Fruchtbarkeitsstörung entstehen können. Das wesentliche Ziel dieser speziellen Fütterungsmaßnahme ist die Minimierung des Risikos der Infektion mit pathogenen Keimen, sowohl über den Verdauungs- als auch über den Urogenitaltrakt bei Sicherstellung einer ausreichenden Energie-, Nährstoff- und Wasseraufnahme der Sauen. Zielführende Maßnahmen sind:

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