Die Afrikanische Schweinepest | Aktuelle Informationen

Seit Monaten ist das Thema „Afrikanische Schweinepest“ bei Schweinehaltern in der Diskussion. In Osteuropa, Asien und Afrika sind die Infektionszahlen in letzter Zeit weiter angestiegen und nun ist auch in Deutschland der erste Fall bekannt. Doch warum ist die Afrikanische Schweinepest so gefährlich, welche Folgen hat ein Ausbruch der Seuche und wie kann ich mich als Landwirt davor schützen? All diese Informationen erhalten Sie hier in diesem Ratgeber.

Was ist die Afrikanische Schweinepest (ASP)?

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine hochansteckende, schwere Viruserkrankung der Wild- und Hausschweine. Sie zählt zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen, ist unheilbar und verläuft für die betroffenen Tiere zumeist tödlich. Ein Impfstoff steht noch nicht zur Verfügung, die Bekämpfung der Ausbreitung kann nur durch Tötung und Beseitigung infizierter und ansteckungsverdächtiger Schweine erfolgen. Für den Menschen und andere Haustiere stellt sie jedoch keine Gefahr dar.

Die Symptome der Krankheit sind jedoch häufig unspezifisch und können leicht mit anderen Krankheiten verwechselt werden, diese können sein:

  • hohes Fieber
  • Futterverweigerung
  • Bewegungsstörungen
  • Atemprobleme und Mattigkeit
  • Blutungen (Hautblutungen, Nasenbluten, blutiger Durchfall)
  • Verfärbungen der Haut (rot/blau)

In der Regel sind mehrere Tiere gleichzeitig betroffen, es kommt zu plötzlichen Todesfällen und hohen Verlusten. Häufig sind zunächst ältere Tiere (Sauen, Mastschweine) betroffen.

Eine Übertragung der ASP erfolgt entweder durch direkten Kontakt zu infizierten Tieren oder über den indirekten Kontakt zu kontaminierten Gegenständen, wie bspw. Fahrzeugen, Geräten oder Schuhen. Auch eine (illegale) Verfütterung von nicht durcherhitzten Schweinefleischprodukten ist eine mögliche Infektionsquelle. Eine Ansteckung über belastete Futtermittel gilt als äußert unwahrscheinlich. Aufgrund der außerordentlich hohen Überlebenszeit und Widerstandskraft des Virus gegenüber Umwelteinflüssen, hält sich das Virus in betroffenen Regionen sehr hartnäckig und breitet sich weiter aus. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit durch direkten Tierkontakt zwischen Wildschweinen ist aufgrund des schnellen Todes der betroffenen Tiere gering, aber stetig. Das größte Risiko für eine weite Verbreitung der ASP stellt der Transport- und Reiseverkehr nach und aus Osteuropa dar, denn damit verbunden ist die Gefahr der Einfuhr und des achtlosen Entsorgens kontaminierter Speiseresten, wie z.B. Wurstwaren.

Nein, für den Menschen und andere Tierarten ist die Afrikanische Schweinepest nicht ansteckend.

In den afrikanischen Ursprungsländern wird die Virusinfektion durch die Lederzecke übertragen, die in unseren Breitengraden aber nicht vorkommt. Vor allem aber verbreitet sich der Erreger über direkten Tierkontakt durch Sekrete, Blut oder Sperma, die Aufnahme infizierten Materials oder indirekt über kontaminierte Werkzeuge oder Transportfahrzeuge.

Im Dezember 2007 wurde die ASP erstmals in Georgien registriert und breitete sich auch auf die Nachbarländer Armenien, Aserbaidschan und Russland aus. 2012 kam es dann zu Fällen in der Ukraine und in Weißrussland, 2014 erreichte die Afrikanische Schweinepest die Länder Polen, Litauen, Lettland und Estland. In Tschechien wurde der erste Fall am 27. Juni 2017 registriert. Auch in Belgien sind 2018 bereits Fälle der ASP bei Wildschweinen entdeckt worden. Dass sich die Afrikanische Schweinepest so lange in den genannten Staaten halten und sogar weiterverbreiten kann, ist der lokalen Schweinehaltung in den betroffenen Ländern geschuldet – gerade bei der weit verbreiteten Hinterhofhaltung mit sehr geringer Biosicherheit.

Wie ist die aktuelle Lage zur Afrikanischen Schweinepest?

Momentan werden in Polen fast täglich neue Fälle von ASP gemeldet, sowohl bei Haus-als auch Wildschweinen, sodass bereits Ende August 2020 mehr Fälle als im gesamten Vorjahr bekannt waren. Insgesamt mussten bislang mehr als 43.000 Tiere gekeult werden. Damit ist Polen zusammen mit Rumänien derzeit das am stärksten von der Pandemie betroffene Land in der EU. Der Schwerpunkt des Seuchengeschehens liegt zwar im Osten Polens, aber es sind auch Fälle in Grenznähe zu Deutschland (zwischen 10-100km) aufgetreten. So war es eine Frage der Zeit, bis auch in Deutschland der erste ASP-Fall auftreten musste. Am 10.09.2020 bestätigte das Friedrich-Löffler-Institut die Infektion eines verendeten Wildschweines im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg.

Die aktuelle Entwicklung der Ausbreitung der Krankheit können Sie auf der Homepage des Friedrich-Löffler-Instituts nachverfolgen. Dort werden wöchentlich die neuesten Zahlen und eine aktuelle Übersichtskarte zur Verbreitung der bekannten ASP-Fälle zur Verfügung gestellt.

Welche Auswirkungen hat ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland?

Das Vorgehen bei einem bestätigten Auftreten der ASP in Deutschland wird durch die „Schweinepest-Verordnung“ geregelt. Welche Maßnahmen im Anschluss ergriffen werden müssen, richtet sich danach, ob es sich um ein infiziertes Wildschwein handelt, oder ob die ASP in einem Hausschweinebestand ausgebrochen ist.

Wildschwein

Um die Fundstelle werden drei Schutzzonen errichtet, deren Ziel es ist, infizierte Tiere zu finden und nicht zu vertreiben und somit die Verbreitung der Seuche zu stoppen.

Schutzzone

Hochrisikogebiet

Gefährdetes Gebiet

Pufferzone

Größe
  • Lebensraum um die Fundstelle
  • 15 km Radius um Hochrisikogebiet
  • 30 km Radius um Hochrisikogebiet
Maßnahmen
  • Einzäunung
  • Betretungsverbot
  • Jagdruhe
  • evtl. Ernteverbot
  • Verbot des Tiertransports
  • Verbot der Auslauf- und Freilandhaltung
  • Keine Verwendung von Einstreu oder Grünfutter
  • Ausschließlich nationaler Tiertransport erlaubt

Die getroffenen Maßnahmen können frühestens 6 Monate nach dem letzten bekannten Fall aufgehoben werden!

Befindet sich Ihr Betrieb in einem gefährdeten Gebiet, müssen Sie sich auf erhebliche Einschränkungern einstellen. Durch den eingeschränkten Transport kann es zu Engpässen bei der Stallfläche und Vermarktungsschwierigkeiten kommen

Verbreitet sich die ASP bei Wildschweinen in Deutschland, trifft dies alle Schweinehalter gleichermaßen. Das Land verliert den Status „ASP-frei“, was dazu führt, dass keine Schweinefleischexporte in Drittländer außerhalb der EU mehr möglich sind. Den Status „ASP-frei“ kann der Staat frühestens 2 Jahre nach dem letzten Seuchenausbruch zurückerlangen.

Hausschwein

Deutlich verschärft werden die Maßnahmen, wenn eine Infektion im Hausschweine-Bestand auftritt, was für betroffene Betriebe sehr weitreichende Folgen hat.

Schutzzone

Sperrbezirk

Beobachtungszone

Größe
  • mind. 3 km Radius um Seuchenbetrieb
  • mind. 10 km Radius um Seuchenbetrieb
Maßnahmen
  • Keulung aller Schweine in einem Radius von 0,5 km um den Seuchenbetrieb und aller Tiere von Kontaktbetrieben
  • wöchentliche klinische Untersuchung aller Schweine durch Veterinäramt
  • Verbot des Tiertransports und der künstlichen Besamung
  • Verbot des Tiertransports und der künstlichen Besamung

Die getroffenen Maßnahmen können frühestens 40 Tage nach Reinigung und Desinfektion Ihres Betriebes, sowie eines negativen Erregernachweises im Stall, aufgehoben werden.

 

Welche Sicherheitsmaßnahmen können Landwirte zur Vorbeuge eines Ausbruchs treffen?

Aufgrund der weitreichenden Folgen ist die Prophylaxe von essentieller Bedeutung. Hier ist die betriebliche Biosicherheit der entscheidende Faktor. Wenn Sie die Schweinehaltungshygiene-Verordnung konsequent umsetzen, machen Sie schon vieles richtig. Bei der Betriebshygiene gilt der Grundsatz – mehr ist immer besser! Die wichtigsten Maßnahmen zum Schutz gegen die ASP sind:

  • Lückenlose Abschirmung Ihres Bestandes gegen das Eindringen von Wildschweinen (kein direkter Kontakt von Haus- zu Wildschweinen, Futter und Einstreu wildschweinsicher lagern)
  • Lassen Sie nach Möglichkeit keine fremden Fahrzeuge (auch Futtermittellieferanten) auf das Betriebsgelände.
  • Die Zahl der Personen mit direktem Kontakt zu Ihren Tieren sollte auf ein Mindestmaß beschränkt sein – führen Sie Buch über Besucher!
  • Unterweisen Sie betriebsfremde Personen in die Hygienemaßnahmen.
  • strikte Schwarz/Weiß-Trennung über eine Hygieneschleuse – nach Möglichkeit separate Schutzkleidung und Gerätschaften für jede Stalleinheit!
  • Tierische Lebensmittel gehören nicht in den Schweinestall! Klären Sie unbedingt auch Ihre (insbesondere osteuropäischen) Mitarbeiter darüber auf.
  • Achten Sie beim Tierzukauf auf den Gesundheitsstatus der Betriebe und gliedern Sie die Zukaufstiere erst nach einer Quarantänephase in die Herde ein.

Besondere Vorsicht für Sie als Tierhalter ist geboten, wenn Sie gleichzeitig auch Jäger sind. Hier gilt es für Sie, besonders strikt auf die Einhaltung der Hygienemaßnahmen und eine Trennung von Jagd und Tierhaltung zu achten. Bringen Sie erlegtes Schwarzwild, wenn möglich, nicht auf den Betrieb und lassen Sie auch Ihren Hund keinesfalls in die Nähe Ihrer Schweine!

Um mögliche Lücken im betrieblichen Sicherheitskonzept zu finden und zu beseitigen bietet das Friedrich-Löffler-Institut eine umfassende Checkliste zur Vermeidung der Einschleppung der ASP an.

Wenn Sie trotz Einhaltung sämtlicher Sicherheitsmaßnahmen und konsequenter Umsetzung Ihres Hygienekonzeptes dennoch den Verdacht haben sollten, Ihre Tiere könnten sich mit dem ASP-Virus infiziert haben, so zögern Sie nicht damit Ihren Hoftierarzt hinzuzuziehen. Eine frühe Erkennung der Krankheit hilft dabei das Seuchengeschehen schnell und effektiv einzudämmen und somit noch größeren wirtschaftlichen Schaden abzuwenden.

Wichtige Informationen für Landwirte

Falls Ihnen dieses Video ohne deutschen Untertitel angezeigt wird, können Sie,  unten rechts in der Leiste des Videos, deutsche Untertitel einstellen.

ActivePro Erklärung Untertitel

Wichtige Informationen für Endverbraucher

Welche Sicherheitsmaßnahmen ergreift das Unternehmen JOSERA?

Als professioneller Partner der Landwirtschaft sind wir als Unternehmen JOSERA auf alle Eventualitäten vorbereitetet und haben diesbezüglich einen Maßnahmenplan für einen möglichen Seuchenfall ausgearbeitet. Ziel ist es dabei, eine Ausbreitung des Virus zu verhindern und Sie sicher weiter mit unseren Erzeugnissen beliefern zu können.

Der Präventionsplan enthält konkrete Verhaltensregeln für unsere Großhändler, Fahrer und Außendienstmitarbeiter, um sichere Betriebsbesuche und Anlieferungen zu ermöglichen. Dazu gehört insbesondere die Ausstattung unserer Mitarbeiter mit geeigneter Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln zur Fahrzeugdesinfektion vor Ort, als auch eine stationäre Desinfektionsanlage für Transportfahrzeuge auf unserem Betriebsgelände. Unsere ASP-Maßnahmen haben wir für Sie auf den zwei folgenden Plakaten zusammengefasst.

Wir verfolgen das Thema ASP äußerst aufmerksam und unsere höchste Priorität ist es, Sie auch im Ernstfall sicher zu versorgen!

ActivePro Plakat zur ASP - intern
ActivePro Plakat ASP - extern

Fazit

Die Afrikanische Schweinepest ist nun auch in Deutschland angekommen, und stellt die gesamte Schweine-Branche vor weitere Herausforderungen. Sie sollten sich als Landwirt ausführlich mit dem Thema auseinandersetzen, um auf alles vorbereitet zu sein. An dieser Stelle stehen wir Ihnen als zuverlässiger Partner zur Seite.

Sie haben weitere Fragen zur Afrikanischen Schweinepest? Dann schreiben Sie uns!  Wir helfen gerne weiter.


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